Dhauti – die innere Reinigung: Anleitungen, Varianten, Vorteile und Kontraindikationen

Dhauti, innere Reinigung, klingt nicht nur nach „Yoga-Detox“, sondern ist auch eine alte Disziplin: Reinigungstechniken, die den Körper (vor allem den Verdauungstrakt) als Grundlage für Pranayama und Meditation stabiler machen sollen. Dieser Artikel ordnet Dhauti ein, erklärt die wichtigsten klassischen Varianten, zeigt dir typische Fehlerquellen, sinnvolle Sicherheitsregeln und klare No-Gos. Du bekommst Orientierung: was Dhauti ist, was es nicht ist – und wie du das Thema verantwortungsvoll einschätzt, bevor du irgendetwas ausprobierst.

Frau beim Ausführen von Dhauti im Wohnzimmer. Text: Dhauti – die innere Reinigung

 

Inhalt: Dhauti – die innere Reinigung

Kurz zusammengefasst

  • Begriff & Ziel: Dhauti ist eine Gruppe von Reinigungstechniken (Shatkarma) im Hatha Yoga. Im Kern geht es um „innere Reinigung“ des Verdauungstrakts und – je nach Unterform – um Reinigung von Rachen-/Brustraum oder Enddarm.
  • Klassische Einteilung: In den Quellen wird Dhauti häufig systematisch geordnet (z. B. Antar, Danta, Hrid, Mula). Damit ist klar: „Dhauti“ ist kein einzelner Trick, sondern ein Werkzeugkasten.
  • Antar Dhauti – vier Unterformen: Zur inneren Reinigung zählen traditionell Vāta-sāra (Luft), Vāri-sāra (Wasser / Darmspülung), Vahni-sāra (Feuer / Agnisāra) und Bahishkrita. Diese Formen unterscheiden sich stark in Intensität, Nutzen und Risiko.
  • Ausführung: Prinzip statt Rezept: Die Methoden arbeiten entweder mit Atem/Luft, Wasser, Bauchbewegungen oder (selten) einer sehr speziellen Technik am unteren Darm. Entscheidend ist die saubere Dosis: sanft, nüchtern, ohne Druck – sonst kippt Reinigung schnell in Überlastung.
  • Traditionelle Wirkversprechen: Klassische Texte nennen als Nutzen u. a. Reinigung, Stärkung des Verdauungsfeuers und das Entfernen von kapha-/schleimbetonten Beschwerden. Gleichzeitig wird oft betont, dass solche Kriyas nicht „für alle immer“ gedacht sind.
  • Kontraindikationen: Besonders wasserbasierte Verfahren und Erbrechen-/Tuch-Varianten haben klare No-Gos wie Schwangerschaft, akute Magen-Darm-Entzündungen, Ulzera, Hernien oder instabile Kreislauf-/Blutdrucklagen. Wenn du unsicher bist: nicht improvisieren, sondern medizinisch abklären und fachlich anleiten lassen.
  • Fehlerkultur: Häufige Probleme entstehen durch Ehrgeiz, falsches Timing (nicht nüchtern), Pressen und fehlende Nachsorge. Gute Praxis heißt: Abbruchsignale respektieren und Reinigung als Intervention behandeln – nicht als Fitness-Programm.
  • Textbelege: Dhauti wird in alten Schriften nicht nur erwähnt, sondern teils konkret beschrieben – inklusive Maßangaben, Stufenaufbau und dem Hinweis auf Geheimhaltung (im Sinne von: nur unter guter Unterweisung).

Details und Erläuterungen zu allen Punkten im weiteren Artikel.

Was ist Dhauti (धौति) – „innere Reinigung“?

Dhauti ist eine Gruppe von Reinigungstechniken (Shatkarma/Shatkriya) des Hatha Yoga, die vor allem den Verdauungstrakt (und je nach Unterform auch Mund-/Rachenraum) reinigen sollen. In der Gheranda Samhita wird Dhauti als vierfach dargestellt: Antar (innere Reinigung), Danta (Zähne/Zunge/Ohren/Gaumen), Hrid (Brust-/Magenraum) und Mula-śodhana (Rektum/After).

Wenn du „innere Reinigung“ meinst, ist damit in klassischen Kontexten meist Antar Dhauti (अन्तर्धौति) gemeint – die „Innenreinigung“ des Körpers, welche sich wiederum in vier Übungen unterteilt. 

4-fach Dhauti in der Gheranda Samhita: Anleitungen, Sicherheitshinweise, Tipps

In der Gheranda Samhita wird Dhauti wesentlich ausführlicher als in der Pradipika in den Versen I-13 bis I-44 behandelt.

Generell gilt

Sicherheitsrahmen: Antar Dhauti gilt traditionell als fortgeschritten. Die Reinigungstechniken sind bei falscher Ausführung eventuell gesundheitsschädlich und sollten deshalb von fachkundiger Stelle erlernt werden. Übe also idealerweise unter Anleitung (kompetente Yogalehrkraft) und nicht „auf eigene Faust“, besonders bei den intensiven Varianten (Varisara/Shankhaprakshalana; Bahishkrita). Die klassischen Texte betonen außerdem „geheim halten“/nicht breit zu lehren – was modern oft als Hinweis auf sorgfältige, individuelle Unterweisung gelesen wird.

Auch die Konsultation eines Arztes vor Beginn der Reinigungsriten ist sicherlich anzuraten. Es können Gründe vorliegen, eine Reinigungstechnik zu meiden. Beispielsweise dürfen manche Herzkranke nicht zuviel Wasser trinken.

Zunächst wird Dhauti unterteilt in:

  1. Antar dhauti (innere Reinigung)
  2. Danta dhauti (Zahn-, Zungen-, Ohr-, Nasen-, Nebenhöhlenreinigung),
  3. Hrid dhauti (Herz- und Brustbereich) und
  4. Mula shodhana (Rektalreinigung).

Antar Dhauti – Innere Reinigung

Antar Dhauti wird weiter vierfach unterteilt in

Den Mund wie einen Krähenschnabel ...

 a) Vāta-sāra Dhauti (Luft-Reinigung)

Auch Vata Sara Dhauti genannt. Zunächst die Beschreibung in der Gherandha Samhita:

Gheranda Samhita, Kapitel I, Vers 15: Den Mund wie einen Krähenschnabel (schnabelförmig gespitzter Mund) formen, die Luft sanft einziehen, den Bauch bewegen und die Luft durch den Darmtrakt wieder hinausbefördern (= durch den Anus hinauslassen, manche deuten es als hinauspressen).

Vers I-16: Dies reinigt den Körper, vertreibt alle Krankheiten und steigert die Körperwärme. Vatsara soll streng geheim gehalten werden.

Ausführung Vatsara Dhauti

Klassische Kurzbeschreibung: „Mund wie Krähenschnabel (Kāki), Luft langsam einziehen, Bauch bewegen, Luft unten wieder hinaus.“

Das Prinzip:

  1. Luft schlucken,
  2. den Bauch bewegen,
  3. Luft wieder abgeben.

Praktische, sichere Leitlinie:

  • nüchtern / sehr leichter Magen
  • ruhig einatmen, keine Gewalt/Pressen
  • sanfte Bauchbewegung (kein schmerzhaftes „Pumpen“)
  • Abbruch bei Krämpfen, Schwindel, Schmerzen

Vorteile / Wirkungen gemäß traditionellen Textaussagen

  • Vāta-sāra: „reinigt den Körper, vertreibt Krankheiten, steigert Wärme“.

Video

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Alternative Ausführung Vatsara Dhauti

Dieses Video sieht Vatsara als Aufstoßen, was aber eine Minderheiten-Interpretation sein dürfte:

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 b) Vāri-sāra Dhauti (Wasser-Reinigung) – oft Shankhaprakshalana – die große Darmspülung

Zunächst wieder die Beschreibung in der Gherandha Samhita:

Gheranda Samhita, Kapitel I, Vers I-17 Trinke langsam Wasser, als ob du den Magen bis zum Halse füllen willst. Bewege es dann mit dem Bauch (schüttele es) und entleere es dann durch den After.

Vers I-18: Dies reinigt den Körper und macht ihn strahlend. Sie bedarf fleißiger Übung und soll ebenfalls geheim gehalten werden.

Vers I-19 ... man erlangt einen Prachtkörper.

Ausführung von Vāri-sāra Dhauti

Prinzip: Wasser trinken, durch spezifische Bewegungen den Darm „durchspülen“, Ausscheidung über den After.
Klassische Kurzbeschreibung: „Wasser trinken, Magen bis zur Kehle füllen, Bauch bewegen/schütteln, durch den After wieder herausbringen.“

Praktische, sichere Leitlinie:

  • nur bei stabiler Gesundheit, idealerweise mit Lehrer:in
  • hygienische Rahmenbedingungen, warme Umgebung, Zeit/Toilette verfügbar
  • körperlich sanft bleiben; kein Zwang, kein „Durchdrücken“
  • danach Regenerationsphase (Wärme, Ruhe; leicht verdauliche Kost)

Vorteile / Wirkungen gemäß traditionellen Textaussagen

  • Vāri-sāra: „reinigt den Körper … macht den Körper strahlend“.

c) Agnisāra Dhauti – die Darmreinigung »durch Feuer«

Auch Vahni-sāra Dhauti (Feuer-Reinigung) genannt. Zunächst wieder die Beschreibung in der Gherandha Samhita:

Gheranda Samhita, Kapitel I, Vers 20: Bewege den Nabel hundertmal gegen die Wirbelsäule. Dies steigert das Verdauungsfeuer.

Vers I-21: Dies bringt Erfolg im Yoga, ist selbst für die Götter schwer zu erlangen, führt zu einem göttlichen Körper und soll ... geheim gehalten werden.

Ausführung Agnisara Dhauti 

Prinzip: dynamische Bauch-/Nabelbewegung zur Anregung des „Verdauungsfeuers“.
Klassische Kurzbeschreibung: „Nabel hundertmal gegen die Wirbelsäule“ (stark verkürzt formuliert).

Praktische, sichere Leitlinie:

  • nur leer (nüchtern)
  • klein anfangen (wenige Wiederholungen), langsam steigern
  • keine Atemnot erzwingen; Schwindel = Pause/Abbruch
  • besonders achtsam bei Blutdruckthemen oder Bauchraum-Beschwerden

Vorteile / Wirkungen gemäß traditionellen Textaussagen

  • Agnisara Dhauti / Vahni-sāra: „Erfolg im Yoga“/Stärkung der Verdauungskraft.

Video:

Youtube-Video

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Swami Sivananda zu Agnisara Dhauti

Man preßt den Nabel gegen die Wirbelsäule, zieht Eingeweide und Bauch zurück und entspannt dann langsam, zieht wieder ein, entspannt von neuem. Das wiederholt man 108 mal.

Das ist Agnisara Dhauti, Reinigung durch Feuer. Das ist der König der Dhautis, das alle Unreinigkeiten des Körpers austreibt.

Wirkungen von Agnisara Dhauti

Dieses Hatha Yoga Kriya steigert Jataragni, das gastrische Feuer, und beseitigt Verstopfung, Magenschmerzen, Sodbrennen und alle anderen Magenleiden. Es regt die Verdauungstätigkeit der Gedärme an. Auch Darmträgheit wird beseitigt. Trägheit der Leber und Vergrößerung der Milz werden ebenfalls geheilt. Man bekommt einen glänzend schönen Körper und prächtigen Appetit. Übermäßiger Fettansatz am Leib wird vermindert.

Anfangs mache man diese Übung ein dutzendmal und steigere Woche für Woche die Zahl, bis man 108 erreicht. Der Körper wird durch Vermehrung des gastrischen Feuers gereinigt. Daher rührt die Bezeichnung Agnisara.

Aus: "Hatha Yoga" von Swami Sivananda

Anmerkung: Grundlage für Agnisara Dhauti ist Uddyana Bandha: Im Stehen werden die Lungen durch eine heftige und intensive Ausatmung leergepumpt; dabei beugt man sich leicht nach vorn und stützt die Hände auf den leicht angewinkelten Knien ab. Mit leeren Lungen zieht man den Bauchnabel Richtung Wirbelsäule, also nach innen und außen. Dies ist Uddyana Bandha.

In diesem Zustand kann man Agni sara üben: die Bauchdecke mehrfach nach außen und innen ziehen, ohne zu atmen. 108 mal, wie von Sivananda angegeben, ist ein hochgestecktes Ziel. Zum Schluss lässt man die Bauchdecke los, atmet langsam und bewusst ein und richtet sich dabei wieder auf.

Beitrag: Uddiyana Bandha: Anleitung, Wirkung, Videos

Uddiyana Bandha: Anleitung, Wirkung, Videos

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Uddiyana Bandha ist das Hochziehen des Bauches nach dem Ausatmen. Hier findest du eine Übungsanleitung, Pradipika-Auszüge zu Uddiyana Bandha und Anleitungs-Videos.

Hier weiterlesen: Uddiyana Bandha: Anleitung, Wirkung, Videos

d) Bahishkrita (bahiskrtam) Dhauti – Luftreinigung des Magens

Auch als "äußerlich-gemachte Reinigung" bezeichnet. Zunächst wieder die Beschreibung in der Gherandha Samhita:

Gheranda Samhita, Kapitel I, Vers 22: Wieder formt man den Mund wie einen Krähenschnabel und füllt den Magen mit Luft. Darin halte man es für anderthalb Stunden. Dann bewege man sie abwärts durch den After hinaus. Auch diese Übung wirkt vorzüglich und soll geheim gehalten werden.

Hinweis: Bei den Verse I-23 bis I-24 sind manche nicht ganz sicher, ob sie zur Beschreibung von Bahishkrita Dhauti gehören.

Gheranda Samhita, Kapitel I, Vers 23: Während man bis an den Nabel im Wasser steht, ziehe man die Shakti-Nadi (=Kraft-Rohr, vermutlich der Mastdarm) heraus und reinige sie mit beiden Händen, bis der Schmutz beseitig ist. Dann führe man sie (ihn, den Mastdarm) wieder in den Körper ein.

Alternative Übersetzung: In nabeltiefen Wasser stehend drückt man die Shakti Nadi (Rektum) und wäscht sie mit den Händen, bis sie wieder sauber ist.

I-24: Diese Waschung ist geheim zu halten und selbst für Götter schwierig; Allein durch diese bloße Reinigung erhält man sicherlich einen göttlichen Körper.

25: Solange der Mensch nicht die Fähigkeit hat, den Atem anderthalb Stunden anzuhalten (Alternativdeutung: Die Luft im Magen zu halten; eine Übersetzung schreibt: solange man den Mastdarm nicht anderthalb Stunden herausziehen kann ...), so lange kommt auch die große Reinigung hahiskrtam (Bahishkrita Dhauti) nicht zustande.

Prinzip: Im Wasser den unteren Darm-/Rektumbereich „nach außen bringen“, reinigen und wieder zurückführen.
Die Gheranda Samhita beschreibt dies als schwierig und an lange Atemhaltefähigkeit gekoppelt.

Praktische Bewertung: Das ist eine der riskantesten klassischen Varianten und wird heute in seriösen Settings selten gelehrt. Wenn überhaupt, dann nur sehr individuell und hochgradig angeleitet.

Wie gesagt: Wenn man mit Dhauti die „innere Reinigung“ meint, ist damit in klassischen Kontexten meist Antar Dhauti (अन्तर्धौति) gemeint – die „Innenreinigung“ des Körpers gemeint. Deren vier Spielarten wären hiermit dargestellt.

Antar Dhauti – Innere Reinigung: Welche Reinigung hast du schon einmal durchgeführt oder möchtest du in Zukunft einmal durchführen?

 

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Es folgen nun weitere Dhautis (Reinigungsübungen) aus der Gherandha Samhita und der Hatha Yoga Pradipika.

Danta Dhauti: Zähne, Zunge, Ohr und Stirnhöhle

Gheranda Samhita, Kapitel 1, Vers 26: Als Danta Dauti bezeichnet man die Reinigung der Zahnkronen, der Zungenwurzel, der Ohröffnungen und der Stirnhöhle (auch: Stirnvertiefungen, Nasen- und Nebenhöhlen).

Danta Dhauti wird wieder vierfach unterteilt in:

a) Danta Mula – Zahnreinigung

Gheranda Samhita, Kapitel I, Vers 27: Mit Katechu-Harzpulver (Extrakt der Khadirapflanze Acacia Catechu) oder mit gereinigtem Lehm (Heilerde) reibe man die Zähne, bis der Schmutz beseitigt ist.

Anmerkung: Hierzulande verwendet man heutzutage meist eine Zahnbürste :-)

Vers I-28: Der Yogi führt Danta Mula jeden Morgen aus. ...

b) Jihva Mula – Zungenreinigung

Auch: Jihva Dhauti – Reinigung der Zunge, heutzutage auch mit einem Zungenschaber.

Gheranda Samhita, Kapitel I, Vers 29: Nun werde ich die Zungenreinigung (und Zungenverlängerung) erklären. Eine verlängerte (lange) Zunge beseitigt Alter, Krankheiten und Tod.

I-30: Den Zeige-, Mittel-, und Ringfinger (Triade) stecke man zusammen in den Hals und reibe die Zunge kräftig. Dadurch wird die Schleim-Unsauberkeit entfernt.

I-31: Reibe die Zunge immer wieder mit frischer Butter ein und melke die Zunge wieder und wieder (gemeint ist wohl ein Drücken und Abziehen der Zunge wie beim Melkvorgang). Dann halte die Zungenspitze mit einem eisernen Instrument und ziehe die Zunge ganz langsam immer weiter heraus.

I-32: Man tue dies regelmäßig mit Sorgfalt bei Aufgang und Untergang der Sonne. Dann wird die Zunge lang.

c) Karna Randha – die Ohrenreinigung

Karna = das Ohr betreffend;

Gheranda Samhita, Kapitel I, Vers 33: Reibe den Gehörgang in beiden Öffnungen des Ohres mit Zeige- und Ringfinger. So offenbart sich dir der innere (besondere) Ton.

Andere Übersetzung: Man sollte den Gehörgang reiben, indem man den Zeigefinger hineinsteckt. Durch regelmäßige Praxis wird eine Hörempfindung erfahren.

d) Kapala Randha – Stirnhöhlenmassage

Kapala = Schädel;

Gheranda Samhita, Kapitel I, Vers 34: Mit dem Daumen der rechten Hand reinige man die Stirnvertiefung (Nasenbrücke); damit beseitigt man bei eifriger Ausführung Leiden durch Schleim.

I-35: Die Nadis werden dadurch rein, und der göttliche Blick (klare Sicht) entsteht. Man praktiziere es täglich nach dem Erwachen, vor dem Schlaf, am Abend und nach dem Essen.

 

Hrid Dhauti – Herz- und Brustbereich

Hrid, hrd = Brust, Magen, Herz;

Gheranda Samhita, Kapitel I, Vers 36: Man praktiziere die Hrid-Reinigung dreifach: mit einem Stock (Stängel; Danda Dhauti), durch Erbrechen (vomieren; Vaman Dhauti) und mit einem Tuch (Vastra Dhauti).

Hrid Dhauti wird somit unterteilt in:

a) Danda Dhauti – Stock im Schlund

Danda, Dandah = Stock;

Gheranda Samhita, Kapitel I, Vers 37: Bewege einen Pisang-, Gelbwurz-, oder Rotang-Stock (andere Vorschläge: Bananen-, Kurkuma- oder Bambusstängel) in der Speiseröhre langsam hin und her.

I-38: Schleim, Galle und Verfaultes befördere man oben hinaus. Durch Danda Dhauti kann man sich von Leiden der Speiseröhre befreien.

elephant wasser strahl 5h 564Vielleicht wurde Vaman (=Elephant) Dhauti von diesem Waschritual inspiriert

b) Vaman Dhauti – Magenspülung mit Erbrechen

Vaman, Vamana = Elephant Vamana;

Vamana Dauti bezeichnet eine Magenspülung mit anschließendem Erbrechen.

Gheranda Samhita, Kapitel I, Vers 39: Nach dem Essen (vielleicht besser: Nach Beendigung des Essens) trinkt der Verständige Wasser "bis zum Halse", richte für kurze Zeit den Blick nach oben und speie das Wasser dann wieder aus. Bei regelmäßiger Durchführung beseitigt man hierdurch Magenkrankheiten (basierend auf Schleim und Galle).

Anmerkung: Ich kann mir nicht vorstellen, dass Vamana Dhauti zur Ausführung direkt nach dem Essen empfohlen wird. Schließlich erbricht man ja das Gegessene dann komplett wieder aus. Wahrscheinlicher scheint mir die Interpretation im Sinne von: "Wenn das Essen für diesen Tag beendet ist", sprich heute nichts mehr gegessen wird und das bisher Gegessene den Magen bereits wieder verlassen hat.

Tipps zu Vaman Dhauti
  • Einige empfehlen die morgendliche Ausführung auf leerem Magen, andere zum Abend hin, um unnötige Nahrungsreste aus dem Magen zu spülen und einen guten Schlaf herbeizuführen.
  • Die Wassermenge wird in manchen Anleitungen mit 2 Litern angegeben.
  • Das Wasser sollte lauwarm sein.
  • Zur Erhöhung der Effektivität der Reinigung kann ein Löffel Salz dem Wasser hinzugegeben werden. Wenn das zu Übelkeit führt, kann pures Wasser genommen werden.
  • Man trinke das Wasser so schnell wie möglich.
  • Eventuell führe man noch einige sanfte Magenkontraktionen (siehe Nauli), nachdem der Magen voller Wasser ist.
  • Das Erbrechen des Wassers gelingt am besten bei vorgebeugtem Oberkörper und kann mittels des Stecken eines Fingers in den Hals ausgelöst werden.
  • Wenn das letzte Wasser "herauskommt" wird es bitter schmecken. Dann sollte zum Abchluss der Übung ein Glas mit klarem Wasser getrunken werden. 
  • Am Ende empfiehlt sich eine Runde Shavasana.
Videos zur Ausführung von Vamana Dhauti

Eigentlich ist die Ausführung ziemlich klar. Aber zum völligen Verständnis hier noch einmal zwei Videos. Achtung: Die Bilder sind nichts für einen schwachen Magen :-) Viele weitere Tipps zu Vaman Dhauti enthält diese englischsprachige Seite.

Video 1

Hier wird Vamana Dauti mit der Zungenreinigung verbunden und als Morgenpraxis empfohlen. Zudem enthält das Video zahlreiche Warnungen und Übungs-Konkretisierungen:

Youtube-Video

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Ausführung 2

Hier fehlt der Blick nach oben:

Youtube-Video

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c) Vastra Dhauti – Stoff im Schlund

Vastra = Tuch, Stoff;

Gheranda Samhita, Kapitel I,  Vers40: Man verschlucke langsam ein schmales (vier Finger breit) und dünnes Stück Stoff und ziehe es langsam wieder heraus. Das wird Vastra Dhauti genannt.

I-41: Dies heilt Gastritis, Fieber, Milzerkrankung, Aussatz, Schleim und Galle und führt – bei täglicher Anwendung – zu Gesundheit, Kraft und Fülle.

Ausführung Vastra Dhauti (Videos)

Video 1

Youtube-Video

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Ausführlicher

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Video 3

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4

Mulasodhana – Reinigung des Anus/After

Mula = Wurzel; Sodhana = Reinigung;

Gheranda Samhita, Kapitel I, Vers 42: Es besteht solange eine Unordnung (Rauheit) der Abwinde (Fürze), bis der Anus/After/Enddarm gereinigt wird. Deshalb praktiziere man fleißig die Afterreinigung.

I-43: Mit dem Stock der Gelbwurz (Kurkumastängel) oder dem Mittelfinger und Wasser wasche man fleißig immer wieder den After.

I-44: Durch diese Reinigung verhindert man eine Verhärtung der Eingeweide, beseitigt eine schlechte Verdauung, führt zu strahlender Haut und einem liebreizenden Körper und entflammt das Verdauungsfeuer.

Zu dieser Reinigung existieren leider keine Videos ;-) Siehe zur Enddarmreinigung auch die Beschreibung von Basti in der Hatha Yoga Pradipika.

Hiermit endet die Beschreibung der Reinigungsübungen (Dhautis) aus der Gheranda Samhita. Nun schildern wir noch kurz das Auftreten von Dhauti in der Hatha Yoga Pradipika und in der Shiva Samhita bevor wir zu allgemeinen Tipps und Vorsichtsmaßnahmen zu den Dhauti-Übungen kommen.

Dhauti in der Hatha Yoga Pradipika

Zunächst die Verse aus der Hatha Yoga Pradipika zu Dhauti:

Pradipika 2-24 Nach der Methode, die vom Guru gelehrt wird, soll ein nasses Tuch Stück für Stück geschluckt werden. Das Tuch soll vier Daumen breit und 15 Hand lang sein. Der Yogi soll das Tuch wieder herausziehen. Dieses wird Dhauti genannt.

Pradipika 2-25 Husten, Asthma, Milzbrand, Lepra, Verschleimung und 20 weitere Krankheiten | Verschwinden zweifelsohne durch Dhauti.

Ausführungen zur Pradipika-Dhauti-Ausübung: 

Youtube-Video

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Die Pradipika-Variante von Dhauti stellt nur eine von 11 inneren Reinigungen dar, die in der Gheranda Samhita beschrieben werden. Diese seien "eine der größten Errungenschaften, die uns die alten Yogis hinterlassen haben". Lies im folgenden selbst und schaue, ob du die eine oder andere Dhauti-Übung in deinen Alltag einbauen willst.

Dhauti in der Shiva Samhita

Hier taucht „Dhauti“ als Begriff auf, aber in einem besonderen Kontext: als Teil dessen, was als „Hindernisse“ (Obstacles) im Rahmen von „Jnana-Hindernisse“ erwähnt wird. 

Shiva Samhita, Kapitel 5, Vers 5: O Parvati, nun will ich jene Hindernisse darlegen, die aus (bloßem) Wissen entstehen: das Verweilen in Gomukhasana, der sogenannten Kuhmaulhaltung; das Ausführen von Dhauti, der Reinigung der Eingeweide im Hatha Yoga; die theoretische Kenntnis von Verlauf und Funktion der Nadis, den Energiekanälen des menschlichen Körpers; Pratyahara, das Zurückziehen der Sinne; der Versuch, die Kundalini-Kraft durch rasche Bauchbewegungen zu erwecken – eine Praxis des Hatha Yoga – sowie das Beschreiten des Weges der Indriyas.

Du siehst: In der Shiva Samhita, einem maßgeblichen Werk des tantrischen Hatha Yoga, steht – anders als in der Gheranda Samhita oder der Hatha Yoga Pradipika – nicht die ausführliche Darstellung der sechs Reinigungstechniken (Shatkarmas) im Vordergrund, zu denen auch Dhauti zählt.

Gleichwohl bestehen inhaltliche Anknüpfungspunkte:

  • Reinigung als grundlegende Voraussetzung:
    Die Shiva Samhita hebt hervor, dass sowohl der physische Körper als auch die Nadis (Energiekanäle) gereinigt werden müssen, bevor fortgeschrittene yogische Praktiken fruchtbar werden können. Damit wird die Notwendigkeit von Reinigungstechniken wie Dhauti implizit anerkannt.
  • Schwerpunkt auf energetischer Reinigung:
    Während andere Texte beispielsweise Vastra Dhauti (Tuchreinigung) detailliert beschreiben, richtet die Shiva Samhita ihr Augenmerk stärker auf Pranayama – insbesondere Nadi Shodhana – sowie auf Mudras und Bandhas als Mittel innerer Läuterung.
  • Einordnung der Shatkarmas (Reinigungsübungen):
    Obwohl die technischen Einzelheiten von Dhauti nicht ausführlich behandelt werden, gilt die Shiva Samhita als zentrales Grundlagenwerk des Hatha Yoga, in dem die Reinigung des Verdauungstrakts als integraler Bestandteil der Praxis anerkannt wird, um den Körper auf den Weg zur Befreiung vorzubereiten.

Zusammenfassend:
Die Shiva Samhita legt den Fokus stärker auf die fortgeschrittenen Dimensionen des Yoga – etwa Pranayama, Mudras und Kundalini – setzt jedoch die körperliche Reinigung als fundamentale Basis voraus.

Dein Tipp zu eine der Reinigungsübungen

Besitzt du Erfahrung mit einer der Reinigungsübungen und kannst hier einen Tipp für andere geben?

Zum Beispiel was dir bei der Durchführungen geholfen hat. Oder was man deiner Meinung nach auf jeden Fall berücksichtigen sollte. Danke!

 

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Wann sollte man Dhauti nicht ausführen? (Kontraindikationen)

Klassischer Grundsatz: Shatkarma soll laut Hatha Yoga Pradipika vor allem dann gemacht werden, wenn „zu viel Fett/Schleim“ (kapha/meda) vorliegt; andere sollen sie nicht unnötig praktizieren.

Pragmatisch/medizinisch vorsichtig (häufige Kontraindikationen, v. a. für intensive Varianten):

  • Schwangerschaft
  • akute Magen-Darm-Entzündungen, Fieber, Infekte
  • Ulcus, schwere Reflux-/Ösophagusprobleme (v. a. bei Erbrechenstechniken)
  • frische OPs im Bauchraum / Leistenbruch / Rektalprobleme
  • schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, unkontrollierter Blutdruck
  • Essstörungen oder psychische Faktoren, die Erbrechen/„Reinigung“ triggern könnten
  • bei Unsicherheit: ärztlich abklären + nur unter Anleitung

(Die konkrete Risikolage hängt stark von der Unterform ab; Bahishkrita und „Durchspül“-Verfahren sind deutlich heikler als z. B. mildes Agnisara bei gesunden Übenden.)

Häufige Fehler – und wie du sie vermeidest

  1. Zu viel, zu schnell, zu ehrgeizig
    → Progression klein halten, besonders bei Vahni-sāra/Agnisāra; Intensität erst erhöhen, wenn absolut symptomfrei.
  2. Mit vollem Magen / ohne Regenerationszeit
    → Nüchtern üben (oder exakt nach traditioneller Vorgabe der jeweiligen Technik) und danach Ruhe/leichte Kost einplanen.
  3. Pressen statt „führen“ (Bauch/Beckenboden/Atmung)
    → Keine Gewalt. Alles, was Druckschmerz, Brennen, Krampf auslöst, ist ein Stoppsignal.
  4. Hygiene & Setting unterschätzen (v. a. Varisara/Shankha)
    → Sauberes Wasser, warme Umgebung, Zeitfenster, Toilette; nicht „zwischen Terminen“.
  5. Warnzeichen ignorieren
    → Abbrechen bei Blut, starkem Schmerz, anhaltendem Schwindel, Fieber, anhaltender Übelkeit; bei Bedarf medizinisch abklären.

Ergänzung oder Frage von dir

Gibt es eine Frage zum Beitrag, etwas zu ergänzen oder vielleicht sogar zu korrigieren?

Fehlt etwas im Beitrag? Kannst du etwas beisteuern? Jeder kleine Hinweis/Frage bringt uns weiter und wird in den Text eingearbeitet. Vielen Dank!

 

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Übersicht Reinigungsrituale

Geschrieben von

Peter Bödeker
Peter Bödeker

Peter hat Volkswirtschaftslehre studiert und arbeitet seit seinem Berufseinstieg im Bereich Internet und Publizistik. Nach seiner Tätigkeit im Agenturbereich und im Finanzsektor ist er seit 2002 selbständig als Autor und Betreiber von Internetseiten. Als Vater von drei Kindern treibt er in seiner Freizeit gerne Sport, meditiert und geht seiner Leidenschaft für spannende Bücher und ebensolche Filme nach. Zum Yoga hat in seiner Studienzeit in Hamburg gefunden, seine ersten Lehrer waren Hubi und Clive Sheridan.

https://www.yoga-welten.de

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