Yoga Sutras erklären

Atha yoga-anuśāsanam
अथ योगानुशासनम्

Jetzt ist Yoga-Zeit. Dies kann ein schönes Motto jeder Yogasitzung sein: Jetzt, hier - mein Yoga!

Womöglich verbirgt sich weiterer verborgener Sinn hinter dieser Sutra. Schauen wir uns Übersetzungsvarianten und die interessantesten Deutungen an.

Inhaltsverzeichnis aus-/einklappen

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1. Bedeutung und Übersetzung des verwendeten Sanskrits

Zunächst hier die Übersetzungsmöglichkeiten für die einzelnen Worte, damit du die Übersetzung selbst für ein besseres Verständnis variieren kannst:

  • atha = jetzt, nun, sofort, Beginn von vielen Erklärungen, laut Sriram ein glücksverheißendes Wort.

  • Yoga = Yoga; Einheit, Vereinigung, verbinden, Harmonie mit sich selbst; stammt von Yuga: Zaumzeug, kann also als Zügeln der Gedankenbewegung, als Selbstbeherrschung (Zügel dich!) oder als Zusammenspannen von Kräften für ein Vorankommen ausgelegt werden.

  • anusasanam = Lehre, Auslegung, Erklärung, Darstellung, Erörterung. Weite; Das, was auf Erfahrung basiert, hier also: die Einführung in eine Erfahrung.

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Übersetzungsvarianten aus-/einklappen
Zu den Quellen

Buchbesprechungen, Erläuterungen zur Auswahl der Übersetzungsvarianten und allgemeine Hinweise zur Sutraübersetzung findest du im zugehörigen Artikel. Hier nun die Kurzauflistung:

Bücher

Internetseiten

Dein Übersetzungsvorschlag

Du findest die bisherigen LeserInnen-Übersetzungen und -Ergänzungen unten.

Hast du einen eigenen Übersetzungsvorschlag?

Wie würdest du diese Sutra übersetzen? Manchmal ergeben schon kleine Wortveränderungen ganz neue Aspekte. Trau dich ... :-)

 

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3. Deutung

Vermutlich sagt Patanjali lediglich, dass er nun die Lehre des Yoga erklären wird. Aber tiefschürfende Geister sehen in den drei Sanskrit-Worten eine Vielzahl an Sinngehalten.

3.1. Der zeitliche Kontext

Iyengar weist darauf hin, dass Patanjalis Zeitgenossen die Bedeutung einzelner Worte wesentlich klarer gewesen sein dürfte als heutigen Lesern. Patanjali hatte die damaligen verstreuten Lehren ja (lediglich) zusammengefasst.

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Der Altmeister für vergleichende Religionswissenschaft Mircea Eliade weist auf Seite 15 darauf hin, dass Anusasanam als "Auslegung" zu deuten ist. Damit ist klar: Patanjali stellt hier keine neuen Hypothesen auf, er erfindet nichts Neues, er veröffentlicht und erklärt lediglich. Eliade sieht allerdings im Wort "Auslegung" einen Hinweis darauf, dass Patanjali an der einen oder anderen Stelle die bisherigen Yoga-Lehren korrigiert.

Samadhi, die Erfahrung der Einheit allen Seins ist das Ziel des Yogas. Anusasanam sagt laut Sriram ebenfalls, dass diese Erkenntnis (aus den Sutras, von Samadhi) auf Erfahrung beruht, nicht gedacht oder gefühlt werden kann.

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4. Was du heute kannst besorgen ...

Sukadev sieht im Wort "atha" einen Ansporn, die Übung des Yogas nicht die Zukunft zu verschieben. Immer wenn der innere Schweinehund die Meditation auf den folgenden Tag verlegen will, sage man sich: atha! Oder man murmele "Atha Yoga" als Mantra vor jeder Übungseinheit, um die eigene Motivation zu fördern.

Andere sehen im Wort "atha - Jetzt" die Quintessenz aller Spiritualität. Das Leben im Augenblick, die völlige Hingabe an den gegenwärtigen Moment.

Auch in der Hatha-Yoga-Pradipika starten viele Übungserläuterungen mit "atha".

In Deshpande / Bäumer wird darüber hinaus gefordert, das, was vor dem "Nun/atha" liegt, aufhören muss um das darauf Folgende zu beginnen. Also ein Bruch mit der Vergangenheit, um dem Yoga zu folgen. Aus dem Zustand der Enttäuschung und des Nichtwissens (... der Identifizierung mit den eigenen seelisch-geistigen Vorgängen) aufmachen auf den Weg zur Freiheit.

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5. Selbstachtung

Mit einigen gedanklichen Winkelzügen lässt die Auslegung des Wortes Yoga als "Harmonie" mit einer Ergänzung der Form "mit mir selbst" lesen. Yoga führt dazu, dass ich mich als der akzeptiere der ich bin. Dies führt zu Selbstwertgefühl und schafft Voraussetzung dafür, dass ich andere auch so sein lassen oder gar lieben kann, wie sie nun einmal sind.

5.1. Von Alpha bis Omega

Interessant mag noch sein, dass das Yogasutra mit dem Wort "atha - jetzt" beginnt und mit dem Wort "iti - So ist es" endet. Iti kam mir einmal auch mit "Ewigkeit" übersetzt unter.

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6. Übungsvorschlag zu Sutra I-1

uebung-sutre-250.jpgDenke in dieser Woche bei jeder Übung, die du durchführst, über das Wort "Jetzt" und seine erweiterte Bedeutung nach:

  • Jetzt übe ich - nicht nachher, nicht morgen.
  • Jetzt beginnt etwas Neues, ich lasse etwas Altes hinter mir.

Was kann dies jeweils sein - ein Wunsch, einen körperlichen Zustand, eine Gewohnheit?

Meine Erkenntnisse/Erfahrungen bei/mit dieser Übung

 

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7. Hintergrundbild zur Sutra

Diese Sutra gibt es auch als Wallpaper/Hintergrundbild für deinen Rechner, Tablett oder dein Smartphone:

7.1.

 gb sutre i 1 564

Zum Gratis-Download für Rechner/Tablett/Smartphone

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8. Fazit

Iyengar schlägt am Ende seiner Besprechungen dieser Sutra noch eine weitere, umfassendere Sichtweise vor. Sinngemäß schreibt er: "Hier werden die Übungen, welche die Ganzheit des Seins zum Ziel haben, aufgezeigt. Damit die verborgene Seite des Menschen, welche den normalen Sinnen nicht zugänglich ist, erkannt und erforscht werden kann."

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9. Ergänzungen und Fragen von Lesern:innen

Ist etwas unklar geblieben? Kannst du etwas ergänzen oder korrigieren?

Der Stoff der Sutras ist für uns heutige Menschen nicht leicht zu verstehen. Ist im obigen Text irgendetwas nicht ganz klar geworden? Oder kannst du etwas verdeutlichen oder berichtigen? Eine eigene Erfahrung schildern ... Vielen Dank vorab für jeden entsprechenden Hinweis oder eine Anregung:

 

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10. Videos zur ersten Sutra:

10.1. Srirams Einführung

10.2. Überblick

Einen 10-minütigen Überblick über das gesamte erste Kapitel der Sutras, symphatisch vorgetragen, leider in nicht ganz so berauschender Tonqualität:

10.3. Ausführliche Erläuterungen zur 1. Sutra:

10.4. 1 Stunde Gespräch auf Englisch über die 1. Sutra:

 

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11. Beliebt & gut bewertet: Bücher zum Yogasutra

11.1. Alte Schriften auf Yoga-Welten.de

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➔ Zu allen alten Schriften auf Yoga-Welten.de

Weitere oft aufgerufene alte Schriften

Geschrieben von

Peter Bödeker
Peter Bödeker

Peter hat Volkswirtschaftslehre studiert und arbeitet seit seinem Berufseinstieg im Bereich Internet und Publizistik. Nach seiner Tätigkeit im Agenturbereich und im Finanzsektor ist er seit 2002 selbständig als Autor und Betreiber von Internetseiten. Als Vater von drei Kindern treibt er in seiner Freizeit gerne Sport, meditiert und geht seiner Leidenschaft für spannende Bücher und ebensolche Filme nach. Zum Yoga hat in seiner Studienzeit in Hamburg gefunden, seine ersten Lehrer waren Hubi und Clive Sheridan.

https://www.yoga-welten.de

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